Der typische Ausbildungsverlauf lässt sich in 10 Unterpunkte aufteilen:
1. > Ausbildungsbeginn < 2. > Praktische und theoretische Ausbildung < 3. > Interne Theorieprüfung "A" < 4. > 1. Alleinflug (nach erfolgreicher Theorieprüfung "A") < 5. > Praktische und theoretische Ausbildung (mit Fluglehrer und Alleinflüge) < 6. > Theorieprüfung beim RP-Darmstadt (7 Fächer, mind. je 75%) < 7. > Überlandflugeinweisungen < 8. > Navigations- und Außenlandeübungen < 10. > Praktische Prüfung -> FLUGSCHEIN / LIZENZ <
Der Ausbildungsbeginn tritt dann ein, wenn du alle > Voraussetzungen <für den Vereinsbeitritt und die Ausbildung erfüllt hast. Du erhälst dann Deinen Ausbildungsnachweis, sozusagen das Logbuch der Schulung, und darfst absofort vorne sitzen und mit Fluglehrer Deine ersten Schulungsstarts absolvieren.
2. Praktische und theoretische Ausbildung Praktische und theoretische Ausbildung laufen mehr oder weniger parallel. Theorieunterricht gibt's im Winter in unserem gemütlichen Schulungsraum. Pflicht sind bei uns 30Stunden (1Stunde = 45 Minuten).
Vor dem ersten Alleinflug wird eine Vereinsinterne Theorieprüfung durchgeführt. Diese soll sicherstellen, dass man das Flugzeug gut kennt und sich in Notsituationen richtig zu helfen weiß. Also alles, was Du während der praktischen Ausbildung mitbekommst. Als Beispiel: "Du hast an unserem Flugplatz in 120 Metern einen Seilriss. Wie handelst Du richtig? Antwort A: Geradeaus landen B: Umkehrkurve fliegen und gegen die Startrichtung landen C: normale Platzrunde fliegen D: Sofort abspringen und Fallschirm ziehen. Nach ein paar Schulungsstarts wirst Du schnell beigebracht kriegen, dass Antwort B die richtige wäre. Hast Du diese Prüfung bestanden, geht's zum Punkt 4. Fällst Du durch, so wirst Du Dich nochmal mit einem oder mehreren Fluglehrern zusammensetzen und die Situationen durchsprechen, bis du sie aus dem ff beherrscht.
4. Der erste Alleinflug (nach erfolgreicher Theorieprüfung "A") Der 1. Alleinflug ist für die meisten der aufregendste Moment in der 'Fliegerkarriere'. Bislang hattest Du die Sicherheit, einen Fluglehrer an Bord zu haben, der bei einem Fehler eingreift und Dich immer sicher runterbringt. Jetzt bist Du ganz auf Dich allein gestellt! Das erste mal ganz allein mit dem Segelflieger am Himmel. Keiner, der Dir sagt, was du tun sollst. Das ist ein unbeschreibbares Gefühl! Zum ersten Alleinflug wirst Du dann zugelassen, wenn 2 Fluglehrer der Meinung sind, du fliegst sicher und beherrt alle lebensnotwendigen Manöver und Notfälle perfekt. In der Regel brauchst Du bis zum Alleinflug zwischen 30 und 100 Starts mit Fluglehrer. Je nachdem, wie häufig Du dabei bist und wie schnell Du die Flugübungen beherrscht.
5. Praktische und theoretische Ausbildung (mit Fluglehrer und Alleinflüge) Nach Deinem ersten Alleinflug machst Du einige Starts, um Übung zu bekommen und Erfahrungen zu sammeln. Ab und zu möchte sich wieder der Fluglehrer auf den hinteren Platz setzen und sich das Ganze zu Gemüte führen. Außdem gibt es ja noch mehr zu lernen. Das Thermikfliegen zum Beispiel oder das Navigieren in der Luft sind nur zwei Beispiele. Im > Ausbildungsnachweis < ist das der Abschnitt 2. Im Winter gibt's wieder Theorieunterricht, sofern Du noch Stunden brauchst.
6. Theorieprüfung beim RP-Darmstadt (7 Fächer, mind. je 75%) Bis zu diesem Punkt hast Du einen Haufen Büffelei vor Dir. Der Fragenkatalog ist ein mächtiger Wälzer und wer das hinter sich hat, lächelt über die Therorieprüfung beim Autoführerschein. Es gibt 7 Prüfungsfächer (Navigation, Meterologie, Technik, Verhalten in besonderen Fällen, Menschliches Leistungsvermögen, Luftrecht, Aerodynamik), in denen Du mindestens 75% richtige Antworten erzielen musst. Wenn Du in einem oder mehreren Fächern weniger hast, musst Du nur diese Fächer wiederholen, was absolut keine Schande ist. Die meisten müssen nochmal irgendwo in die Nachprüfung. Unbeliebtestes Fach ist wohl unbestritten Navigation. Hast Du alles geschafft, kannst Du erst mal durchschnaufen. Der trockenste Teil der Ausbildung ist geschafft!! Jetzt hast Du 12 Monate Zeit, die nächsten 3 Punkte "abzuarbeiten".
Zu einem der letzten praktischen Ausbildungsabschnitten zählt die Überlandflugeinweisung. Das heißt, du fliegst mit Fluglehrer eine längere Strecke vom Flugplatz weg. Dabei muss eine Flugvorbereitung getroffen werden (Wetterauskunft, Streckenplanung, ggf. Windberechnung). Du sollst also fit gemacht werden, später alleine längere Strecken entspannt fliegen zu können.
8. Navigations- und Außenlandeübungen Bei der Navigationseinweisung lernst Du, mit der Flugkarte (ICAO-Karte) umzugehen und anhand dieser fehlerfrei zu navigieren. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Von oben sieht die Landschaft doch einiges anders aus, als auf so einer schematischen Karte. Die Außenlandeübung wird meist mit unserem Motorsegler geflogen. Hierbei fehlende Thermik simuliert, wir sagen dazu "absaufen". Sprich du findest keine Thermik mehr und schaffst es nicht mehr bis zum nächsten Flugplatz. Dann musst du - und das kommt regelmäßig vor - auf einem geeigneten Acker landen. Das ist erlaubt, wenn man alles richtig macht ungefährlich und kommt bei den besten Piloten häufig vor. Da der Motorseglerflug mit ~60€ pro Stunde nicht ganz günstig ist, gibt's hier einen Zuschuss von der Jugendkasse.
9. 50km Navigationsflug im Alleinflug (nach bestandener Theorieprüfung beim Regierungspräsidium Darmstadt) Hast Du alle vorherigen Punkte hinter Dir, musst Du das erste mal ganz alleine "auf Strecke gehen". Das heißt, Dich weiter als bisher vom Flugplatz entfernen. Dazu brauchst Du Thermik und deinen trainieren Orientierungs- und Navigatiossinn. Zu fliegen sind mindestens 50 Kilometer Luftlinie. Das Kreisen zählt nicht als Stecke. Üblich ist bei uns ein Flug von Langenselbold nach Gedern und wieder zurück (ohne Zwischenlanden).
10. Praktische Prüfung -> FLUGSCHEIN / LIZENZ Jetzt kommt 'nur noch' die praktische Prüfung, vor eigentlich keiner Angst haben muss. Unsere Ausbildung ist so gut, dass jeder guten Gewissens dem vom Regierungspräsidium zugeteilten Prüfer sein Können unter Beweis stellen kann. Dafür musst Du 3 Starts und Landungen mit Prüfer machen, er entscheidet dabei, ob Winde oder F-Schlepp. In der Luft angekommen prüft er Dich dann auf ein paar Figuren, die Du im Laufe der praktischen Ausbildung gelernt hast. Ob du saubere Kreise fleigen kannst, richtig reagierst, wenn Du ins Trudeln gefallen bist und ob Deine Landungen sauber sind. Bestanden! Glückwunsch! In ein paar Tagen hast Du Dein Scheinchen in der Hand! Zu was berechtigt Dich der Schein? -Du brauchst nie mehr einen Fluglehrer, der auf Dich "aufpasst"
Wenn das mal nichts wert ist - Pilot zu sein! |